Nahtoderlebnis (NDE)

Es war an einem Winterabend in meiner frühen Teenagerzeit, als ich in die Notfallaufnahme der Hamburger Universitätsklinik gebracht wurde. Stunden später verliess ich das Zimmer des Doktors und lief entlang der Rezeption Richtung Ausgang – unterstützt von meiner Mutter, die mich am Arm hielt. Es war wohl Mitternacht. Ich fühlte mich von den Schmerzen geschwächt und erschöpft und bat sie, anzuhalten. Ich hatte einen Zustand erreicht, in dem ich taub war und mich nicht mehr weiter bewegen konnte. Ich schloss die Augen.

Auf einmal, ganz plötzlich, gab es keine äussere Welt mehr, keine Geräusche, keine Mutter, kein Krankenhaus oder irgendeine Umgebung. Es gab nur mich, die sich nach innen wandte, fühlend und beobachtend. Und dann spürte ich einen enormen Sog von dem was ich damals Tod bezeichnete. Der einzige Satz, der immer wieder in meinem Kopf auftauchte, war: „Wenn ich jetzt loslasse, sterbe ich.“ Tatsächlich hatte der Tod eine enorme Anziehungskraft und fühlte sich für mich wie eine riesige, köstliche Versuchung an. Aber wenn ich losliesse, so verstand ich intuitiv, würde es die Freisetzung des Bewusstseins aus meinem Körper bedeuten, und es würde kein Zurück geben.

So kämpfte ich innerlich mit zwei Grössen, von denen eine versuchte, zu bleiben, und die andere loslassen wollte. Nach einer gefühlten Ewigkeit musste ich schließlich loslassen. Der Tod war nicht nur freundlich hell und superanziehend, sondern er saugte mich mit phänomenaler Kraft, wie Magnetismus, an sich. Der Körper sackte in sich zusammen. Tatsächlich schien sich mein Körper aufzulösen, es gab kein Körperbewusstsein mehr, und das was übrig blieb kann ich nur als reines Bewusstsein beschreiben.

Meine Wahrnehmung bewegte sich durch einen hellen Tunnel über mir und schwebte dann in einen unbegrenzten Raum voll weißem und goldenem Licht. Es fühlte sich darin unglaublich freundlich und atemberaubend schön an. Ich war durchströmt und umgeben von süßer Friedlichkeit, einem Gefühl von Sicherheit und Erlösung. Es gab keinen Schmerz, keine Angst, keine Grenze, keine Zeit, keine Temperatur, keine Gedanken, keine Gefühle. Nur waches, ruhiges, reines Sein. Der Raum oder das Feld fühlte sich unendlich an, und unendlich wohlwollend. Voll Liebe, heilsam und segensreich. 

Irgendwann war ich wieder in meinem Körper. Ich hatte keine Ahnung, wie es geschah, denn die Rückkehr war so plötzlich und schnell. Ich erinnere mich, wie mich meine vor Sorgen ganz blass gewordene Mutter sprachlos anstarrte, während ich mich aufrichtete. Ich dagegen fühlte mich klar, erfrischt und entspannt. Und ich fragte: „Worauf warten wir? Lass uns gehen.“

Ich blickte nicht wieder auf diese Episode und viele Jahre vergingen, bevor ich einer Freundin davon erzählte. Und das auch nur beiläufig. Es kam mir nie in den Sinn, dass meine Erfahrung ungewöhnlich oder besonders hätte gewesen sein können. Dass die ganze Sache sogar einen Namen hatte – NDE (Near Death Experience) – lernte ich nur zufällig mehr als ein Jahrzehnt später.

Was blieb, war ein natürlicher, offener Sinn für die Schönheiten und Realitäten in nicht-irdischen Reichen. Und eine fühlende Verbindung zu einem vertrauten Raum des Friedens, zu dem ich zurückkehren kann, wenn die Zeit kommt. Hab ich Angst vor dem Tod? Nein. Eher vor potenziellem Schmerz und Hilflosigkeit vor der Abreise.

Gedanken zu zwei weit verbreiteten Missverständnissen

Tendenziell sagen Menschen, sie fürchten den Tod. Ich glaube aber, dass viele Menschen nicht ihren Tod fürchten, sondern dass sie Angst vor ihrem Verfall haben. Sie fürchten das, was auch immer an schwächenden Prozessen und Schmerzen auftreten könnte, bevor sie sterben.

Eine weitere Verwirrung im Kollektivbewusstsein ist, dass Leben als Gegenteil von Tod gesehen wird. Es ist wirklich ein Missverständnis. Das Gegenteil von Tod ist Geburt! Das Leben ist alles – Geburt und Tod sind Teil des Lebens.

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