Was Gärtnern so mit sich bringt

Als Kind habe ich meinen Eltern beim Gärtnern zugeschaut. Wir hatten einen riesigen Garten mit den verschiedensten Blumen, Büschen, Tannen-, Apfel-, Kirsch- und sonstigen Bäumen, Beerensträuchern, Rosenranken, Gemüse- und Kräuterbeet, Gartenlaube und einem grossen Rasen. Aber so wirklich verstanden, was Gärtnern bedeutet, habe ich damals nicht. Erst als ich vor einem Jahr selbst begann, unseren Garten anzulegen, zu pflegen und zu beobachten, wurde mir bewusst, wie aufwendig, freudvoll und erfüllend, es sein kann, in und mit der Natur zu wirken. Und da gibt es mittlerweile so einige Lektionen durch den Umgang mit den Pflanzen, die sich auch auf das Leben generell anwenden lassen. Hier eine Auswahl:

  1. Manchmal ist es notwendig, grosse Äste, die vom Hauptast ausgehen, abzuschneiden, damit der Stamm noch grösser und stärker wird. Und sich die Pflanze mit mehr Halt im Boden verankern kann. Es ist nötig, sich von intakten Teilen zu trennen, damit die Hauptrichtung des Pflanzenwachstums erhalten und unterstützt werden kann. Seitenzweige ziehen dem Hauptast bzw. Stamm Kraft ab, und müssen weichen. Das lässt sich in unserem Alltag auf Besitz, Projekte, Personen und auch Konzepte oder Glaubenssätze anwenden. Wenn wir bestimmte Dinge loslassen (müssen), weil sie uns bremsen, ablenken und in unserer Ausrichtung schwächen.
  2. Pflanzen haben ihre Phasen. Sie wachsen nicht ständig und gleichmässig. Blühen nicht allezeit, und tragen auch nicht immer Früchte. Das scheint ein Selbstgänger zu sein, sei aber trotzdem mal erwähnt. Denn vom Menschen erwarten wir, dass er immer allezeit gleich funktioniert, z.B. gleiche Effizienz und Qualität von Leistung erbringt. Und das ist ja oft auch etwas, das wir von uns selbst erwarten. Dass wir immer eine gleich gute Gesundheit und Stimmung haben. Doch sind wir letztlich wie die Pflanzen und haben unsere Phasen. Und unsere Saison. Dazu gehören auch Zeiten des Stillseins und Innehaltens, wie bei den Pflanzen. Wonach es Beschleunigung, Wachstum und erneutes Aufblühen geben kann. 
  3. Selbst bei einer gesunden Pflanzen sterben Teile ab. Das können kleinere oder grössere Äste sein, Blüten oder Blätter, die ihre Farbe verändert oder einfach vertrocknen und dann abfallen. Platz machen und Neues gedeihen lassen. Und so ist es auch bei uns. Ich meine jetzt aber nicht unseren natürlichen Haarausfall! Sondern dass immer wieder mal Aspekte, Personen, Situationen oder Dinge in unserem Leben ihren Glanz, ihre Lebendigkeit, ihren Stellenwert verlieren, und verschwinden. Neues entfaltet sich. Und weiter geht es. 
  4. Häufiges Umpflanzen ist nicht günstig für die Entwicklung einer Pflanze. Es gibt verschieden grosse Wurzeln und wenn die kleinsten Wurzeln bei einem Ortswechsel beschädigt werden, braucht es recht lange, bis die Pflanze sich erholt. Bei jedem Umpflanzen oder Umtopfen werden genau diese feinen Wurzeln beschädigt und das hat einen negativen Einfluss auf das gesamte Pflanzenwachstum, auf die Pflanzenentwicklung  Also es ist wichtig, sich gut zu überlegen, wohin die Pflanze kommen soll und was ihr Wachstumspotenzial ist, um ihr entsprechend Raum zu lassen, damit ein Umpflanzen vermieden werden kann. Oder sie, wenn ein anderer Standort nötig ist, ganz achtsam und mit grosszügigem Erdballen auszugraben, so dass die kleinsten Wurzeln unbeschädigt bleiben, Ein schnelles Rausziehen aus der Erde ist keine gute Idee. Ähnlich ist beim Menschen eine bewusste, behutsame und natürliche Geburt von Vorteil, kein erzwungenes Rauszerren des Babys aus dem Mutterleib mit Instrumenten oder künstlichen Hormonen. Aber ebenso ist ein Vorgehen mit Bedacht und Rücksicht zuträglich, wenn es um Standortveränderungen beim Erwachsenen oder bei Familien geht.
  5. Es gibt immer wieder Überraschungen. Platziere ich beispielsweise eine Pflanze mit pinken Blüten im Garten, kann es gut sein, dass im Laufe der Zeit Äste wachsen, die weisse oder zweifarbige Blüten tragen. Oder ein Strauch mit roten Blumen, produziert plötzlich pinke Blüten. Mit Blick auf unser Leben heisst das ganz einfach, dass auch wir mit einem Mal ganz unterschiedliche Dinge produzieren können. Dass sich unsere Programmierung, unser Output und unsere Schöpfungen verändern können. Unsere Profession wechseln, Projekte verändern, Prägungen transformieren. Wir haben die Möglichkeit, das was wir in die Welt geben, einer komplett neuen Farbe zu unterziehen.

Mit herzlichen Grüssen vom monsoonerfrischten Himalaya.

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