Das Übernatürliche – unterdrückt im Westen & lebendig in Indien

Als ich jung war, verspürte ich immer den Drang, aus Deutschland wegzuziehen. Ich fühlte mich erstickt von dem, was ich als Schwere und Starrheit empfand. Und ich wollte mein Heimatland so schnell wie möglich verlassen. Obwohl noch mitten im Studium, als ich ein Stipendium für ein Auslandsjahr erhielt, sagte ich nicht Nein.

Nachdem ich im Laufe der Jahre an vielen Orten zwischen England, Europa und den Emiraten gelebt hatte, führte mich mein Weg nach Indien. Hier fühlte ich mich sofort Zuhause, trotz Chaos, Staub und Subtropenklima. Und irgendwann wusste ich warum. Weil hier noch eine lebendige Kultur, die das Göttliche und das Metaphysische ehrt, existiert! Und diese Einstellung der Menschen schafft eine besondere, beruhigende und die Seele nährende Atmosphäre. Sie ist überall in Indien spürbar.

Erst im Nachhinein, wenn ich jetzt zurückblicke, verstehe ich, was mich immer antrieb, wonach ich suchte: Freiheit und eine spirituelle Umgebung mit Menschen, die sich unseres angeborenen spirituellen Wesens bewusst sind und es im Alltag integrieren. Mich interessieren die unsichtbaren Aspekte des Lebens, also unsere wahre ursprüngliche Natur, Energie, Bewusstsein aber auch unser schöpferischer Ausdruck und die Liebe zwischen Mensch und Tier. Hätte mein Fokus auf Materialismus, weltlichem Komfort und der Anhäufung von Reichtum gelegen, wäre ich wahrscheinlich in London, Mailand, Zürich oder Dubai geblieben.

Die Existenz des Übernatürlichen und Metaphysischen wird in den meisten alten Religionen und Kulturen beschrieben. Überirdische Wesen in den unsichtbaren Reichen und paranormale Fähigkeiten werden in vielen Traditionen erwähnt. Aber in Indien ist es selbst heutzutage allgemein bekannt! Dass nicht alles, was spirituell glänzt, unbedingt Gold ist, steht auf einem anderen Blatt und könnte ein Buch füllen.

In den hinduistischen Schriften werden übernatürliche Kräfte, die als Siddhis bekannt sind, ausführlich erklärt. Sie gelten als Zeichen spiritueller Entwicklung und umfassen Hellsichtigkeit, Telepathie, Levitation und Heilung (z.B. Yoga Sutras von Patanjali). Diese Fähigkeiten können durch spirituelle Praktiken wie Meditation, Yoga und andere Formen disziplinierter spiritueller Praxis erlangt werden.

Auch in der christlichen Mystik werden übernatürliche Fähigkeiten erwähnt und oft als spirituelle Gaben, Charismen oder heilige Wunder bezeichnet. Sie werden als vom “Heiligen Geist verliehen” betrachtet und haben den Zweck, den Willen Gottes zu erfüllen. Dazu gehören die Fähigkeit der Heilung, Prophetie, Unterscheidung von Geistern, Exorzismus, Visionen und Offenbarungen, Levitation, Bilokation. Im Christentum werden spirituelle Gaben jedoch hauptsächlich als Werkzeuge für den Dienst und die Fürsorge betrachtet, anstatt als Zeichen persönlicher spiritueller Entwicklung. Christliche Lehren warnen oft davor, diese Gaben um ihrer selbst willen zu suchen, und betonen Demut und die Gefahr des Stolzes. Im Gegensatz dazu betrachten bestimmte hinduistische Texte de Siddhis als natürliche Meilensteine auf dem Weg des spirituellen Fortschritts, obwohl sie auch davor warnen, daran zu haften.

Alte Texte aus Indien definieren auch andere Lebensformen, darunter göttliche Devas und böswillige Wesen wie Asuras (Dämonen), Pisachas (Nichtverkörperte bzw. körperlose Seelen) oder das drachenartige Vritra. Ähnlich wie die in der Bibel beschriebenen dunklen Entitäten, bekannt als gefallene Engel oder das monsterartiges Ungeheuer namens Leviathan. Selbst Hybride zwischen Menschen und Nichtmenschen werden erwähnt.

Und dennoch war der Westen sehr erfolgreich darin, diese Informationen zu unterdrücken und zu verhindern, dass das Übernatürliche und die unsichtbaren Reiche als real betrachtet werden. Das System möchte, dass Du glaubst, dass nur die materielle Welt existiert. Und dass Lösungen außerhalb von uns, nicht innerhalb von uns zu finden sind. Schulbildung und Mainstream-Lebensstil sind auf Materialismus, Intellekt und das ausgerichtet, was physisch und numerisch, „wissenschaftlich“ bewiesen werden kann.

Traditionell werden in Indien sogar ganzheitliche Praktiken oft als Wissenschaften bezeichnet, z.B. „Wissenschaft des Yoga“, während im Westen der Begriff Wissenschaft auf die materialistische Welt beschränkt ist, auf die Dinge und Prozesse, die gemessen und wiederholt werden können. Interessant.

Es stimmt nachdenklich, warum wir solche einseitigen, verzerrten westlichen Bildungspläne haben, eine stumme Kirche sowie allgemeine Zweifel oder sogar Verachtung gegenüber allem „Übernatürlichen“ und “Spirituellen“.

Was könnte der Hintergrund der Leugnung von anderen, nicht-planetarischen Wesen (und Technologien!) sein? Und was könnte die Motivation sein, das Wissen über höhere Wahrnehmungsfähigkeiten, die wir Menschen haben, zu unterdrücken?

Ich kenne die Antwort auf die erste Frage nicht, aber ich habe eine Antwort auf die zweite Frage, da ich im Westen aufgewachsen bin und die westliche Kultur erlebt habe. Ich sehe die Konsequenzen der Unterdrückung der menschlichen Seele und des Geistes, die Folge des Ignorierens intuitiver Fähigkeiten und der Realität von Bewusstsein und Gefühlen. Dies wirkt sich auf Einzelpersonen und die Gesellschaft aus, beeinflusst die mentale und emotionale Gesundheit, gesellschaftlichen Werte und das allgemeine Klima und Wohlbefinden (oder auch Unwohlsein).

Kurz gesagt, ein Mangel an spiritueller Ausrichtung und spirituellem Wissen führt zu Desorientierung, suboptimalen Entscheidungen und zur Entkräftung eines einzelnen Menschen sowie der Gesellschaft im Allgemeinen. Entmachtete und entmündigte Menschen sind aber natürlich leichter zu manipulieren und zu kontrollieren. 

Die Tatsache, dass jeder von uns direkt eine Verbindung zu Gott herstellen kann, ist ermächtigendes Wissen und stärkt uns Menschen. Die Anerkennung, dass jeder Einzelne die angeborene Fähigkeit besitzt, direkt mit dem Göttlichen in Verbindung zu treten, ist zutiefst befreiend und transformierend. Traditionelle religiöse Institutionen übersehen oder bagatellisieren jedoch oft diese uns innewohnende Fähigkeit und betonen stattdessen, dass Priester, Geistliche oder Rituale notwendige Vermittler zu Gott sind. 

Nichtsdestotrotz besteht ja weiterhin die Wahrheit, dass Bewusstsein, Absicht und Aufmerksamkeit immer in uns vorhanden sind und uns als direkter Weg zur Kommunion mit dem Göttlichen und zu spirituellen Erkenntnissen durch unser eigenes höheres Selbst dienen.