Das Wesen der westlichen Welt, ja gerade auch der deutschen Denkweise, besteht überwiegend aus der Förderung und der Sicherung alles Irdischen und Intellektuellen.
Das Wesen der östlichen, gerade auch der indischen Kultur, besteht hingegen darin, dem Geist die Möglichkeit der Entwicklung zu geben und der Seele den Weg zur Selbstrealisierung zu ebnen.
Mit meinem Leben, das beide Denkweisen und Erdenregionen überbrückt und vereint, sehe ich das “outer engineering” im Fokus Deutschlands und das “inner engineering” in Indien. Aber die spirituellen Dimensionen und die materiellen Strukturen sind gleichzeitig zu entwickeln. Es gilt sowohl das Himmlische als auch das Irdische in uns zu verkörpern und auszudrücken.
Mit dem Ende der Kolonialisierung und nach der Unabhängigkeitserklärung durfte Indien aufwachen und etwas über die Verteidigung und Festigung des Irdischen lernen bzw. erinnern. Indien war einst eines der reichsten Länder der Welt. Vor der Kolonialzeit und der Ausbeutung durch europäische Kolonialmächte im 15. Jahrhundert war Indien für seinen Reichtum, seine Kultur und seine fortschrittliche Wirtschaft bekannt.
Indien behielt allerdings seinen legendären Schatz an spirituellem Wissen für die geistige Entwicklung und persönliche Kultivierung in Bezug auf Körper, Kopf, Herz und Seele. Dieser besteht als uralte und zeitlose Grundlage in der Gesellschaft. Und auf diesen Werten basierend richtet sich Indien nun auf seine wirtschaftliche und materielle Wieder-Entfaltung aus.
Wie steht es um Deutschland? Meiner Ansicht nach, erklärt sich die aktuelle Erniedrigung und Zerstörung Deutschlands u.a. dadurch dass die spirituelle Entwicklung nicht nur nicht stattfand, sondern gänzlich abgeschaltet wurde! Materielles und Wirtschaftliches, Intellekt und Verstand wurden wertgeschätzt und zum absoluten Mass aller Dinge. Es herrscht im Grunde spirituelle Orientierungslosigkeit. New Age hat sich als mehr oder weniger substanzlos entpuppt. Und die Kirche hat schon lange ausgedient, aber es gab keinerlei religiöse Erneuerung! Keine Bestrebungen für die geistige und ganzheitliche Entwicklung des Volkes.
Viele deutsche Sucher wurden von östlichen Religionen inspiriert. Wo es die Konzepte von Bestrafung und Schuld, Hölle, Sünde und Sühne gar nicht gibt. Viele begannen Yoga zu praktizieren, alte Meister zu studieren und viele stellen sich auch einfach nur eine Buddha-Statur in den Garten. Und das sag ich nicht mit Bewertung, sondern mit Mitgefühl, denn die Seele dürstet nach Affirmation ihrer göttlichen Quelle. Und wenn die eigene Kultur nichts zu bieten hat…
Aus westlicher Perspektive, sind Jesus und Maria vielleicht zu sehr mit Kirche, Kreuz und Vatikan verbunden und scheinen keine ganzheitliche Lebensanleitung zu bieten. Ich selbst habe erst hier in Indien die Essenz von Jesus / Issa und für was er steht erfassen können: Christusbewusstsein bzw. reines göttliches Bewusstsein. Er hat mit Kirche letztlich nix am Hut. Die Kirche aber hat ihn instrumentalisiert.
Vereinfacht zusammengefasst, da die Deutschen sich nicht freiwillig aus sich selbst heraus dem Göttlichen zugewandt zu haben scheinen, gibt es jetzt erzwungene Krisen und törichtes Verhalten von Entscheidungsträgern (= Zerstörung des Irdischen), um das Aufwachen voranzutreiben.
Mein Verdacht ist, je schneller die Deutschen verstehen, dass die Schaffung einer neuen Lebensphilosophie und – Haltung der einzige Ausweg ist, desto weniger Chaos, Schmerz und Leid wird es geben. Wenn die Liebe zur Materie und Identifikation mit dem Irdischen überwiegen, stumpft die Seele ab. Es braucht unbedingt auch die Liebe zum Metaphysischen.
Wie kann die Philosophie der neuen Zeit aussehen?
Für die Deutschen (wie auch die Inder) heisst es sicher, erstmal ganz pragmatisch: Raustreten aus der ewigen Opfer-Rolle, der Selbstgeisselung, dem Sich-Klein-Machen. Erinnern der eigenen, gottgegeben Stärken und Schöpferkräfte (Deutschland, das Volk der Dichter, Denker, Designer!), das Erkennen und Behaupten der eigenen Grenzen (Jetzt ist aber mal Schluss mit dem Unsinn!), Erinnern der Fähigkeit als Team hervorragendes leisten zu können, gefolgt vom Zusammenschluss der Menschen und der beherzten, souveränen und konsequenten Umsetzung neuer Ideen (Self-Empowerment).
Spirituell gesehen haben die Deutschen womöglich Nachholbedarf. Aber das ist im Grunde gar nicht so kompliziert. Es gibt ja eigentlich nur einen Weg, nämlich die bewusste Rückverbindung mit Gott durch das Spürbewusstsein nach Innen, durch sich selbst. Gott ist ja immer da. Die Frage ist nur wo ist der Mensch? Die Verbindung mit Gott läuft über Intention und empfangsbereite Aufmerksamkeit, über individuelle Seelenheilung. Also die Integration des Göttlichen in den Alltag kann instant, sofort hier geschehen. Es braucht keinerlei Mittelsmänner, neue Institutionen oder Wartezeiten!
Manchen hilft vielleicht, sich an die reiche Spiritualität ihrer Vorahnen, der vorchristlichen Germanen, zu erinnern. Die spirituelle Kultur Deutschlands vor der Christianisierung war stark geprägt von der germanischen Religion und Mythologie, welche eine Vielzahl von Göttern und Göttinnen sowie Naturgeister, Naturverehrung und Rituale umfasste. Götter wurden verehrt und ihre Geschichten waren ein zentraler Bestandteil der damaligen Gesellschaft (hier zeigen sich einige Parallelen zwischen der vorchristlichen germanischen Kultur und der noch lebendigen indischen Kultur!). Und dann gibt es ja auch noch die christlichen Mystiker (Hildegard von Bingen, Meister Eckhart, Johannes vom Kreuz, Theresa von Ávila usw.).
Damit sich das “deutsche Bewusstsein” öffnet, muss es wahrscheinlich zuerst vom Irdischen auf das Göttliche umgepolt werden. Dafür ein paar Übungen: Beten, In-Stille-Sein, Meditieren, Spazierengehen, der eigenen Intuition vertrauen.
Wenn das Göttliche dann Priorität bekommt, entwickelt sich das Gefühl der Liebe zur Welt, das Gefühl von Einheit mit Gott. Hochmut und Erwartungshaltungen werden zu gesunder Demut und Dankbarkeit. Verzagtheit und Depression werden zu Mitgefühl für einen selbst und andere.
Und je mehr Liebe der Mensch in seiner Seele hat, desto näher ist er dem Göttlichen. Das sind die Frequenzen, mit denen wirklich Wichtiges und Wesentliches geschaffen werden kann. Es sind Lichtfrequenzen, mit denen die Dunkelheit sich auflöst.
Die Ideologie Deutschlands muss von Geisteswerten bestimmt sein – der Wahrung von Liebe, Selbstrespekt und Würde, Ethik, Integrität und Kooperation, sowie der Wertschätzung der eigenen Kultur. Weisheit und optimale Entscheidungen sind darin automatisch enthalten.