Die englische Redewendung bare minimum bedeutet „das bloße Minimum“ bzw. „nur das Allernötigste“. Das Nötigste und nicht mehr.
Was heisst es, wenn jemand in einer Beziehung nur das absolut Notwendigste einbringt?
Es heisst, dass mit minimalstem Einsatz das Maximalste herausgeholt werden will. Ob dies bewusst oder unbewusst geschieht, variiert sicher von Person zu Person und von Situation zu Situation.
Was jedoch gleich bleibt: Ein Partner, der nur halbherzig in der Beziehung ist. Und der andere, welcher die Arbeit für zwei macht – verbindlich, vorausdenkend, verantwortungsvoll und vor allem super verständnisvoll in Bezug auf den halb-anwesenden Partner.
Wenn einer in der Beziehung nur das Allernötigste beiträgt, kann das nicht nur verwirrend, sondern auch verhängnisvoll sein.
„Nur das Nötigste“ betrifft jeden Lebensbereich und jede Alltagssituation: Kommunikation, Umgang mit Konflikten, Planungen aller Art, Geburtstage und Familienfeiern, Sex, Kochen, Haushalt, Kindererziehung, Haltung von Haustieren, Verwaltung und Finanzen, aber auch persönliches Wachstum, Gesundheit und Gewahrsein.
15 Beispiele für „Bare Minimum“-Verhalten in Beziehungen:
(Ich beschreibe hier typisches Verhalten von Männern.)
- Das Auto zur Inspektion bringen, Müll raustragen, Betten machen und Handwerker für Reparaturen organisieren, ja sicher, macht er, aber nie von sich aus, sondern nur auf ausdrückliche Bitte der Partnerin.
- Nach dem Abendessen werden die Teller in die Küche gebracht, aber nur neben der Spüle abgestellt. Nicht abgewaschen oder in die Spülmaschine geräumt.
- Es werden Lebensmittel eingekauft, aber nicht ausgepackt und eingeräumt. Das, sowie die vorherige Erstellung der Einkaufsliste, wird der Partnerin überlassen.
- Getragene Kleidung wird in den Wäschekorb geworfen, aber niemals in die Waschmaschine gegeben, zum Trocknen aufgehängt und gebügelt.
- Der Hund wird Gassi geführt, aber Futter, frisches Trinkwasser oder Tierarzttermine? Das ist nicht sein Zuständigkeitsbereich.
- Ein Geburtstagskuchen wird organisiert, aber nicht nach dem Geschmack des Geburtagskindes, sondern nach eigenen Vorlieben.
- Im Garten werden Obst und Gemüse gepflückt, aber Unkraut jäten und die Hecke schneiden? Undenkbar.
- Er fragt nach dem Befinden seiner Partnerin, merkt sich aber keine Details und fragt auch nie nach, wie der Verlauf bestimmter Dinge war.
- Er hört der Partnerin zu, wenn sie ihre Wünsche und Grenzen mitteilt, dreht sich dann aber um und macht weiter wie bisher. Ihre Bedürfnisse werden bagatellisiert oder ignoriert.
- Sex? Gerne. Nähe, Präsenz, Intimität? Eher zweitrangig. Im Vordergrund steht sein Kommen.
- Er gibt sich gelassen und geduldig, wenn die Partnerin keine Lust hat, hegt aber unterschwellig Groll und Erwartungen. Seine Unzufriedenheit und Anspruchshaltung sind subtil spürbar. Bissige Bemerkungen machen es offensichtlich.
- Er zahlt grosszügig in die Haushaltskasse ein, möchte aber mit seiner Partnerin trotzdem alles auf 50/50 halten.
- Er bezahlt die Geburtstagsgeschenke für Familienmitglieder, vergisst aber immer die Geburtsdaten. Dafür ist ja die “Partnerin” da.
- Visionen und Versprechungen gibt es viele, aber Worte werden meist nicht in Taten umgesetzt. Was er zusagt, vergisst er oder es kommt was dazwischen. Termine und Verabredungen mit der Partnerin oder Familie werden gern verschoben.
- Die Partnerin ist krank und er bringt ihr Tee ans Bett, aber um Medizin und Lebensmittel zu besorgen, bittet er die Nachbarn zu helfen. Er muss ins Büro. Oder, er wird selbst plötzlich “noch kränker” als die Partnerin, so dass sie ihn pflegen muss und sich nicht ausruhen kann.
Wird deutlich was das Bare Minimum bedeutet?
Wenn ein Partner nur das absolut Notwendigste tut, gerät die Beziehung aus dem Gleichgewicht. Wobei es wahrscheinlich ist, dass sie schon immer eine Schräglage hatte.
- Er hilft, aber nur wenn er darum gebeten wird.
- Er ist im Raum anwesend, aber emotional ausgecheckt.
- Im Notfall ist er da. Aber eben nur im Notfall, meist 5 vor 12.
- Er sorgt für etwas zu essen, aber nicht selbstgekocht, sondern bestellt und geliefert.
- Er zeigt Gefühle, aber nur nach dem Sex.
- Er weint, aber nur bei melodramatischen Filmen, nicht beim Kummer der Partnerin oder um eigenen Schmerz bewusst zu transformieren.
- Er hört zu, aber hat nichts Bedeutungsvolles beizutragen.
- Mitgefühl? Nur in sicherer Distanz, punktuell oder strategisch, niemals echt.
- Er will Beziehung, Familie, Ehe, Haus und Hund, aber als Status und Triumphkarte, nicht als inneres Anliegen.Tief in seinem Inneren ist er nicht wirklich interessiert.
- Er SPIELT den perfekten Partner, Familienvater und Mann, aber möchte es nicht SEIN.
- Er ist oft schlicht gelangweilt. Und braucht ständig neue Anreize.
- Er ist wahrscheinlich vom Konsum bestimmter Substanzen und Medien abhängig, hält dies aber für normal.
- Wenn er sich entschuldigt, ist seine Reue nicht spürbar. Die Entschuldigung ist leer, unverkörpert, formal und inszeniert. Er kann seine Schuld nicht richtig spüren. Worte sind da, aber das Herz fehlt.
- Interesse, bestehenden Konflikten auf den Grund zu gehen und Lösungen oder Kompromisse zu finden, besitzt er nicht. Denn die Dinge sollen ja so laufen, wie er es möchte.
- Es mangelt auch an Maintenance-Arbeit: Er macht nur das Notwendigste, damit die Beziehung läuft, aber nicht, damit sie wächst. Es fehlt an Integrität, Tiefgang, echter Lebensenergie und Engagement.
Das alles schafft bei der Partnerin Verwirrung. Er tut ja was und setzt sich ein! Aber eben nur minimal, nicht ganz, nicht stetig, nicht verlässlich, nicht beherzt und nicht proaktiv aus eigenem Antrieb.
Wohltuend ehrlich
Nach dem schmerzvollen Ende einer Beziehung mit einem Bare-Minimum-Partner vor vielen vielen Jahre, schrieb mir ein kluger Freund:
“Beziehung ist nur möglich mit ihm wenn du 130% gibst. Du bist noch nicht weich genug gekocht. Durch seine Art noch nicht mürbe genug, denn er möchte schon Beziehung, aber nach seiner fixen Idee von bella figura. Nach außen perfekt und grandezza, aber innerhalb der Beziehung sich nicht halten können. Der eitle Pfau. Pure Hybris. Und auch die Karriere, als äußerer Schein ohne Substanz. Er wird nie Karriere machen. Er wird auch in Beziehung und Familie nicht nährend sein. Kann er nicht. Er sehnt sich sicher auch nach der Beziehung, die du willst, aber er erwartet von dir all die Arbeit. Und er läßt sich immer noch ein Hintertürchen auf, um dich mürbe zu machen, damit du ihm auch noch die letzten Prozente deiner Kapazität gibst.
Und sein Unbewußtsein und sein beharrliches nicht Hingucken ist schlicht ein Zeichen von Degeneration. Er wird wie ein Pfau all die schönen Dinge um sich aufbauen, und vielleicht wird er irgendwann erkennen, dass die Frauen, die er so anzieht, ihm nicht das geben, was er braucht. Denn die Frauen, die darauf fliegen, brauchen im Grunde selber Hilfe und Unterstützung… Er ist der perfekte Prinz, der permanente Präsenz, ein perfektes Versorgen und das perfekte Märchenleben verspricht, aber innerhalb der Beziehung kann er nicht anwesen sein. Und schlimmer noch, die Frau die sich mit dem Glitz und Glamour zufrieden gibt wird von ihm gleichzeitig bestraft, denn er flirtet mit anderen Frauen, nichtmal um sich selbst zu bestätigen, sondern um seine Frau klein zu halten. Er gibt ja am liebsten noch das Geld seiner Partnerin aus. Selbst die attraktivste Frau wird sich irgendwann häßlich fühlen und es dann auch sein. Er hätte am liebsten all das Äußere um die Frau anzuziehen, den Pfauenschein, und dann aber ein reiche attraktive Erbin, von deren Geld er leben kann. Bzw eine Karrierefrau, mit der er angeben kann, die aber gleichzeitig sich auch noch um die Familie kümmert, da er zu nichts im Stande ist. Eine Frau alleine kann das aber nicht schaffen, dh Familie ist für ihn ausgeschlossen. Selbst wenn, die reiche Erbin Zeit hat, wird er sie sabotieren und sie alles machen lassen. Und die Frau, die das mit sich machen läßt wird ihm nie die Erfüllung geben können, die er eigentlich ersehnt. Solange er das nicht versteht, und konsequent seinen Beruf, seine Ausrichtung ändert, wird er für eine Frau wie dich nicht der richtige Mann sein. Denn jede Frau, die ihre Sinne beisammen hat, wird wie du früh genug abspringen. Er kann nichts schaffen. Es ist sein persönlich geschaffenes Drama, das er jederzeit beenden könnte. Er tut es aber nicht. Es ist eine Tragödie.” – K.S.
Warum landen wir bei solchen Partnern?
Wir ziehen oft an, was uns bekannt und vertraut ist. Nicht das was wirklich gut und gesund für uns ist. Unser ungeheiltes, wundes Selbst magnetisiert genau das, was noch ins Bewusstsein und in die Transformation gebracht werden darf. Und die Wunden stammen aus diesem Leben und / oder vergangenen Leben.
Oft liegt die Antwort auch in unseren prägenden Jahren. Schau mal genau hin:
Vielleicht ähnelt Dein Partner vom emotionalen Verhalten her Deinem Vater?
Wenn Deine Bedürfnisse und Gefühle immer wieder ignoriert werden, befindest Du Dich möglicherweise in einer Beziehung mit einem Partner, der nur das absolute Minimum beiträgt.
Einer solchen Beziehung auf Sparflamme fehlt es an gegenseitigem Respekt, ehrlicher Kommunikation, emotionaler Verbundenheit und Sicherheit. Das führt zu Unzufriedenheit, Frustration, Spannungen, sexuellen Blockaden, sich wiederholenden Konflikten und Gefühlen von Leere, Trauer, Konfusion und Erschöpfung. Wer dauerhaft mehr gibt als empfängt, läuft Gefahr, in emotionalen Burn-out oder in einen Beziehungstrauma-Zustand zu geraten (PTSD).
Das absolute Minimum ist der kleinste notwendige Beitrag, um die Beziehung überhaupt aufrechtzuerhalten. Das Mindestmaß sollte aber niemals der Standard einer Beziehung sein. Eine erfüllte und tragfähige Partnerschaft erfordert das bewusste Pflegen der Beziehung durch beide Partner.
Warum ist das Bare Minimum so perfide?
- Weil es nicht eindeutig falsch oder verletzend ist, aber ständig zu wenig. Es wird „ja etwas gemacht“ und „irgendwie läuft’s”, aber nie mit echter Präsenz.
- Weil es den Partner in einem zermürbenden Zwischenzustand hält: nicht ganz ungeliebt, aber auch nicht wirklich geliebt.
- Weil die emotionalen Brotkrumen hoffen lassen, dass der andere irgendwann doch mal ganz da ist.
- Weil jegliche Verantwortung abgewälzt wird, auf den Partner, der dann doppelt trägt.
- Weil der Partner beginnt, sich selbst anzuzweifeln, obwohl er seine Standards, Bedürfnisse und Werte eigentlich gut kennt.
Das „Bare Minimum“ ist kein Luxus, aber auch kein Standard. Es ist ein gefährlicher Sub-Standard! Das absolute Minimum ist auch nicht gleichzusetzen mit Narzissmus oder Machiavellismus. Es ist eine Bindungsstörung, welche auf emotionaler Unverfügbarkeit, Vermeidung von echter Nähe und mangelnder Verantwortungsübernahme basiert. Vergleichbar mit einem unreifen, bequemen, vielleicht sogar latent sadistischen Prinz-Archetyp.
Wie kann es für den ewig wartenden Partner, also denjenigen, der sich dem Bare-Minimum-Partner unterwirft, weitergehen?
Was es braucht ist Wahrhaftigkeit. Mut, hinzusehen und wenn nötig auszusteigen (den anderen nicht retten wollen!). Ohne Drama und ohne Schuldzuweisungen. Stattdessen mit viel Selbstachtung, Selbstheilung und klarer Grenzziehung.
Die Frage ist nicht, warum der Bare-Minimum-Partner so ist wie er ist. Die entscheidende Frage ist: warum lässt Du es mit Dir machen? Warum bist Du in so einer Beziehung? Was hat das mit Deiner Co-Abhängigkeit, Deinem People-Pleasing, mit Selbstsabotage oder Helfersyndrom zu tun?
Die Zeit ist JETZT, Dir selbst wieder zu begegnen. Deine Bedürfnisse ernst zu nehmen und die Beziehung zu Dir selbst an erste Stelle zu stellen.
Titelbild: Salon von Peter Herrmann @ unsplash
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