Mein Leben am Fusse des Himalaya: Naturgewalten & Nachbarschaft

In den vergangenen paar Wochen war hier einiges los. Diebstahl im Nachbartempel, Wolkenbrüche, Fluten und Landrutsche, gekappter Strom und zerstörte Wasserleitungen, wilde Elefanten, Sturz eines Baby-Rehs, Navratri-Festival zu Ehren der grossen Göttin und vieles mehr. Anlass genug, mal wieder von meinem Leben hier in Indien, im Himalaya Vorland und am Rande des Dschungels, zu berichten. Und auch gleich ein paar Tipps zu geben, denn in diesen Tagen habe ich einiges gelernt.

Hier authentische Einblicke in echtes Leben… keine perfekt inszenierten Instagram-Momente.

September
Raubüberfall auf unseren benachbarten Devi-Tempel. Bei Tageslicht. Diebe haben die Kabel der Überwachungskameras durchgeschnitten, die Türschlösser aufgebrochen und den Goldschmuck der Göttin sowie Silberstatuen gestohlen. Außerdem haben sie die Spendenbox aufgebrochen und das Bargeld mitgenommen. Schockierend. Wirklich. Kaliyug. Entweihung heiliger Orte. In unserem Fall, auch noch unter ominös schwergrauem Himmel.
Immerhin, die Diebe wurden zwei Tage später gefasst.

15. September
Die Monsoonzeit ist normalerweise zwischen Juli und September. Die Regensaison war in diesem Jahr heftiger und zerstörerischer als jemals zuvor. Das sagen auch unsere ältesten Nachbarn. Hier im Bundesstaat Uttarkhand gab es massive Landrutsche, oben in den Bergen. Und im Bundesstaat Punjab wurden ganze Dörfer und Landwirtschaftbetriebe weggespült. Wir hatten grundsätzlich zu viel Regen und zu wenig Sonne, so dass auch keinerlei Gemüse wuchs. In Indien haben die Medien über all das berichtet, im Westen nicht.
In der Nacht vom 15. auf den 16. September gab es einen Wolkenbruch der seinesgleichen sucht. Ich war fast die ganze Nacht wach, weil es so schüttete und nonstop donnerte und blitzte. Der Strom fiel auch aus.
Der Morgen dann war grau und nassnebelig. Die Nachbarn liefen draussen herum und begutachteten ihre Häuser, Felder und den Flusslauf – schnellströmend und extremvoll bis überlaufend. Wir alle prüften, was in der Nacht zu Schaden kam. Als ich mit den Hunden Gassi ging, sah ich, dass es hinter unserem Haus einen Landrutsch gab und auch dass die Strassen nahe des Flusses überflutet und verschlammt waren. Wir alle konnten die Situation kaum fassen. Die Monsoonsaison sollte sich eigentlich dem Ende neigen und sich nicht noch verstärken.

Folgen der Unwetter-Nacht:
2 Nächte und 3 Tage kein Strom in unserer Gegend. Ein Hauptmast war von den Fluten mitgerissen worden.
Und unsere Wasserleitung war durch Landrutsche im Dschungel unterbrochen und verschüttet. Nach 16 Tagen (vorgestern) war die Instandsetzung endlich erledigt und wir hatten wieder Leitungswasser.

Selbst der indische Verteidungsminister war perplext und sprach offen eine mögliche Wettermanipulation an. In den vergangenen 2 Jahren hatte Nordindien heftigste Regenfälle und Fluten. Und am 22. Januar 2024 gab es einen Artikel in The Tribune mit dem Titel „Weather Warfare“ (Wetter-Kriegsführung):
„Verteidigungsminister Rajnath Singh erwähnte China nicht namentlich in seiner bemerkenswerten Beobachtung, dass der Klimawandel in Indiens Himalaya-Grenzregionen nicht nur wetterbedingt sein könnte, sondern auch das Ergebnis feindlicher Kräfte sein könnte, welche die Elemente zähmen. Die Anspielung auf Peking ist jedoch offensichtlich. Die Möglichkeit, dass China Wettermanipulationen als Waffe für strategische Zwecke einsetzt, eröffnet eine neue Front. Laut dem Minister werden ernsthafte Anstrengungen unternommen, um herauszufinden, warum Uttarakhand, Himachal Pradesh, Sikkim und Ladakh zunehmend von Naturkatastrophen heimgesucht werden, obwohl sich der Himalaya auch auf andere Bundesstaaten und Unionsterritorien erstreckt. Es wäre klug, durch globale Zusammenarbeit genaue Daten zu sammeln, um die Behauptungen zu untermauern.“

In dem Zusammenhang fielen mir diverse andere Artikel und Aufklärungsinitiativen auf:

Erkenntnisse nach dem langen Stromausfall:

Ich konnte testen wie lange unser Generator läuft: knapp 2 Tage. Vorsorge-Empfehlung: Im Laufe des Jahres regelmässig den Stand des Batteriewassers prüfen und ggf. nachfüllen.
Wenn es dann tatsächlich gar keinen Strom mehr geben sollte, ist es hilfreich, voll aufgeladene bzw. mit frischen Batterien bestückte Taschenlampen, tragbare Lampen und auch Powerbanks, sowie Kerzen und Teelichter im Haus zu haben. Leuchtmittel, die allein über Solarzellen aufgeladen werden nützen bei Regenwetter leider nichts.
Unbedingt zu besorgen ist ein Recharger, der über den Zigarettenanzünder des Autos läuft. So habe ich meinen Laptop, mein Mobiltelefon und eine Powerbank aufladen können. Um das Aufladegerät zu starten, muss der Automotor nur laufen (man muss nicht herumfahren!). Der Benzintank sollte auch aus diesem Grund immer gut gefüllt sein.
Einen Gaskocher zu haben und somit unabhängig vom Stromnetz kochen zu können, ist ganz wichtig.

Erkenntnisse durch die Wasserknappheit:

Die beiden Wassertanks von je 1000 Liter waren nach 12 Tagen bis auf ca. 200 Liter leer. Also 2000 Liter reichen knapp für 2 Wochen, ABER: Im Alltag weniger Wasser zu verbrauchen, ist gar nicht so leicht! Beim Geschirrspülen und bei der Toilettenspülung lässt sich kaum Wasser einsparen, beim Wäschewaschen schon eher (nur das notwendigste 1x die Woche waschen), Duschen ganz kurz ist gut möglich (alternativ: Wasserschüssel und Waschlappen), den Fussboden seltener nass wischen (stattdessen fegen oder saugen), Gemüse und Obst in eine grosse, mit Wasser gefüllte Schale legen und waschen (statt unter fliessendem Kranwasser), nur die wichtigsten Hauspflanzen giessen (Kräuter), Obst und Gemüsepflanzen besprühen statt giessen, Haus- und Fensterputzen verschieben. Hilfreich ist es, wenn sich die Wassertanks auf dem Hausdach befinden, so läuft das Wasser ohne Pumpe / Strom.

24. September
Eine ungewöhnliche Episode: Nachbarn berichteten, dass sie nachts 3 wilde Elefanten vorbeikommen sahen. Und was wir morgens als Beweis vorfanden: Elefanten-Poop beim Tempel und hinter unserem Haus! Bhavin, Jaya und Nachbarhündin Stella rochen dies zum ersten Mal. Normalerweise kommen bei uns keine Elefanten vorbei, sondern eher Leoparden, Rehe, Hirsche, Pfaue, Papageien und Affen. Abenteuer am Rande des Himalaya Dschungels!


27. September
Am 12. Tag ohne Aussicht auf Instandsetzung der Wasserleitung wurde ich ernsthaft unruhig. Und da fiel mir der Wasserhahn im Garten eines vor längerer Zeit verstorbenen Nachbarn ein. Und zu meiner Überraschung lief dort Wasser. Mit diesem Brunnenanschluss, dem Motor eines anderen Nachbarn und meinen Gartenschläuchen haben wir dann sämtliche Container der umliegenden Häuser befüllt! Ich hatte auch noch einen alten, leeren 500 Liter Tank im Garten, der nur äusserlich etwas verdreckt war.
Die Freude und Erleichterung über unsere Aktion kann ich kaum in Worten beschreiben. Es war total erhebend! Und auch so schön, den Zusammenhalt von uns Nachbarn zu erleben.

28. September
Dann ein neues Drama: Am nächsten Morgen rief mich ein Nachbar, weil ein Baby-Reh verunglückt war. Es lag hinter seinem Haus im Gebüsch. Ich eilte sofort mit Bachblüten Rescue Remedy Tropfen rüber. Das arme Ding konnte sich nicht bewegen und gab keinen Ton von sich. Aber es lebte noch. Ich besorgte eine Decke, einer der Priester unserer Nachbarschaft fütterte es mit Milch und ein anderer Nachbar rief den lokalen Tierarzt bzw. das Forest Department an. Das Team vom Forstamt war schnell und nahm das Rehchen zur nächsten Klinik mit.

1. Oktober
Wir feiern: Nicht nur den Höhepunkt den Navratri-Festivals, sondern auch die Widerherstellung unserer Wasserleitung!
Das Rohrsystem war nun, nach 16 Tagen (!), repariert und wir bekamen unsere Wasserversorgung zurück.
Navratri ist ein wichtiges und farbenprächtiges Fest, das neun Nächte und zehn Tage dauert. Es ist der göttlichen Mutter und der universellen weiblichen Kraft (Shakti) gewidmet. Es wird mit Gebeten, Fasten, kulturellen Veranstaltungen, Musik und Tanz zu Ehren der verschiedenen Formen der Göttin gefeiert. Am 1. Oktober war der abschliessende Tag „Maha Navami“, das Wasser lief wieder und wir konnten aufatmen.

Fazit: Was auch immer geschehen mag, halte an Gottes Hand gut fest!

Diese Wochen haben mir erneut gezeigt, wie eng äußere Naturgewalten und unsere innere Natur miteinander verbunden sind. Stürme und Erschütterungen gibt es nicht nur draußen, sondern auch in uns. Umso wichtiger ist es, Widerstandskraft, innere Ruhe und Vertrauen zu stärken. Und das Beobachten zu üben, anstatt impulsiv emotional zu reagieren. Dies sind Fähigkeiten, die wir kultivieren können. Genau daran knüpft mein ganzheitliches Coaching an: Menschen zu begleiten, ihre innere Kraftquelle zu finden, damit sie auch in stürmischen Zeiten gut in sich verankert bleiben können.