Weckruf der Wahrheit | Menopause 3/3 – Spiegel der Beziehung zu Dir und Anderen

Ich habe es in meinen vorangegangenen beiden Artikeln bereits angedeutet: Wie wir Frauen die Wechseljahre erleben, hängt im Wesentlichen von unseren Beziehungen ab – in erster Linie von der Beziehung, die wir zu uns selbst, und zu Gott, haben. Und daraus ergibt sich ja letztlich auch die Qualität der Beziehung zu unserem Partner oder Ehemann oder zu unserem Beruf.

Es gibt Frauen, die relativ beschwerdefrei durch die Menopause segeln. Und es gibt jene, die wirklich herausgefordert werden.

Wechseljahre – mit oder ohne Beschwerden – sind in der Regel eine Einladung zur Lebensrückschau und Selbsteinschätzung. Ein Aufruf zu Ehrlichkeit, Klarheit und Handeln. Und damit verbunden oft auch emotionaler Heilung und pragmatischen Veränderungen im Alltag.

Ich würde sogar so weit gehen zu sagen, dass die Symptome der Menopause wahrscheinlich unsere letzte große Chance sind, wahrhaft zu werden, bevor sich ernsthafte körperliche Beschwerden manifestieren. Dr. Christiane Northrup bestätigt in Die Weisheit der Wechseljahre: „Wenn eine Frau des äußeren Friedens willen schweigt – zu Hause oder bei der Arbeit – oder wenn sie ihre kreativen Impulse und Sehnsüchte oder ihren Kummer unterdrückt, kann das Ergebnis eine oder mehrere der drei großen Krankheiten der Nach-Wechseljahre sein: Herzprobleme, Depression oder Brustkrebs.“

Viele von uns haben gelernt, brav zu funktionieren: als gute Tochter, gute Mutter, gute Partnerin, Kollegin. Doch irgendwann rebellieren Seele und Körper. Unerlöste Trauer, geschluckte Wut, zu viel Anpassung und Sich-um-andere-kümmern… Wenn wir unsere Menopause-Symptome als Sprache der Seele anerkennen, dann wissen wir, dass uns körperliche Beschwerden nicht bestrafen, sondern befreien wollen. Sie zeigen uns, wo wir nicht in Wahrheit leben.

Aus eigener Erfahrung weiss ich, dass bspw. eine Frozen Shoulder in der Perimenopause mit aufgestauter Trauer und nicht geweinten Tränen zu tun haben kann. Jedes Mal, wenn ich mich in den Schulterschmerz hineinbewegte, bis an den Rand der Erträglichkeit, kamen Wellen tiefer Tränen. Reine Emotion. Über mehrere Monate habe ich so die eingefrorenen Gefühle rausgeweint, abgeschmolzen und damit meine alte Schulterflexibilität wiedergewonnen. Auch kenne ich Berichte von Frauen, die in der Endphase ihrer Ehe oder Partnerschaft starke Hitzewallungen hatten, die verschwanden, sobald ihr Mann oder sie selbst ausgezogen war.

Die Menopause ist oft die Zeit, in der Frauen aufhören, alles zu ertragen, „irgendwie zu managen“. Plötzlich geht’s nicht mehr, so zu tun, als sei alles gut. Viele merken:
Ich kann nicht mehr in dieser Beziehung bleiben.
Ich kann diese Art von Sex nicht mehr haben.
Ich kann diesen Job nicht mehr aushalten.
Ich bin gar nicht mehr ich selbst.
Ich kann mich selbst nicht mehr verleugnen.

Das ist kein Scheitern. Das ist Erwachen. Und so sind die Wechseljahre keine Krankheit und auch nicht das Ende, sondern eine Reformation: eine Einweihung zur reifen Frau.

Es ist die Einladung, begrenzende Glaubenssätze, schmerzhafte Beziehungsmuster, selbstsabotierende Verhaltensmuster, Familienprägungen, Schuldgefühle und Ängste zu konfrontieren und zu transzendieren. Es ist die Zeit für eine ehrliche Innenschau und für die Umsetzung der Impulse unserer inneren Stimme.

Der Moment, in dem Du nicht mehr kannst, die Kontrolle loslässt und Dich der Wahrheit ergibst, ist der Moment, in dem die Rückverbindung zu Deinem wahren Geist und zu Deiner inneren Shakti-Lebensenergie beginnt – der schöpferischen, wilden, intuitiven Kraft. Sie ist nicht unbedingt nett. Sie ist echt. Und sie will Freiheit, Authentizität, Wahrheit.

Jenseits der Hormonveränderungen zeigt sich immer deutlicher, dass psycho-spiritueller und sozialer Stress (ungeheite emotionale Wunden und Kindheitstraumata sowie ungesunde Beziehungsdynamiken) die Symptome der Menopause verschärfen. Mittlerweile belegen auch Studien, dass Frauen, die in belastenden Beziehungen leben, von stärkeren Beschwerden berichten (Ref.: Dr. Carolyn Gibson, University of California, JAMA Internal Medicine 2018). Zur Stress-Biologie gehören eine Überaktivität der HPA-Achse (Hypothalamus–Hypophysen–Nebennieren-Achse) und chronische Entzündungsprozesse. Und Gifte und Entzündungen wiederum schaffen ein Ungleichgewicht im Körper, das unsere Immunabwehr und Hormonharmonie schwächt.

Einen ebenso destabilisierenden Effekt haben giftige Beziehungen: verschiedene Formen von Missbrauch (emotional und / oder finanziell) und konstante Entwertungen, privat und / oder beruflich, lassen den Körper im permanenten Überlebensmodus verharren.

Viele Frauen sind erschöpft, weil sie das emotionale Klima ihrer Beziehung ständig scannen und regulieren. Dabei kann die Schilddrüse empfindlich reagieren. Und Panikattacken können entstehen, wenn Frauen dauernd vorsichtig sein müssen und keine emotionale Sicherheit haben. All das und mehr sind Ausdrucksformen einer Überlastung durch die Dynamik mit dem Partner oder Beruf.

Ungeheilte Mutter- oder Vaterwunden können in dieser Lebensphase besonders laut werden. Viele Frauen erleben in der Menopause eine Art Wiederholung alter Beziehungsmuster: Widersprüche, Kontrolle, Abwertung, emotionale Abwesenheit. Wer in einer narzisstischen Beziehung lebt, ob mit Partner, Elternteil oder Chef, kennt oft Angst, Anspannung, Depression, Schlafstörungen, Verdauungsprobleme oder Symptome einer posttraumatischen Belastung.

Es wäre naiv, hier keinen Zusammenhang mit verstärkten Wechseljahresbeschwerden zu sehen. Der Körper spricht und sagt oft genau das, was wir jahrelang nicht aussprechen konnten.

Hormone verändern unser Befinden, aber die Umkehrung ist ebenso wahr: dauerhafte emotionale Belastungen in einer Beziehung – unterdrückte Wut, Enttäuschung, unerfüllte Bedürfnisse, Sex aus Pflichtgefühl etc. – verändern ebenfalls die Hormonlage. Chronischer Stress erhöht Cortisol, dämpft Progesteron, stört den Insulin- und Schilddrüsenhaushalt – und verschärft so die typischen Wechseljahresbeschwerden. Es ist also ein Kreislauf: Hormone beeinflussen Beziehungen und Beziehungen beeinflussen Hormone.

Auch unsere Sexualität verändert sich in den Wechseljahren. Mit dem Abfall von Hormonen und Sexualtrieb, dem Verschwinden selbstverständlicher Lust und Erregung, tritt das alte vertraute „sexuelle Selbst“ nicht nur in den Hintergrund, sondern löst sich eventuell sogar auf.

Bei den meisten Frauen ist Lust mit weit mehr verknüpft als mit dem Hormonstatus. Die weibliche Sexualität steht mit unserem gesamten Sein in Verbindung – physisch hormonell, emotional, psychologisch und spirituell. Dennoch ist die Abnahme unseres Hormonspiegels kraftvoll und lässt unsere Wahrnehmungsschleier und Schönred-Tendenzen auflösen. Der Mann, der Sex vor allem zum Stressabbau oder Einschlafen nutzt, oder den Körper der Frau zur besseren Masturbation gebraucht, hat keine Chance mehr. Und der Mann, der nicht bereit ist, bei sich selbst hinzuschauen, destruktive Verhaltensweisen zu verändern und Verantwortung zu übernehmen, wird verlassen. Was vorher irgendwie lief, braucht jetzt eine Aktualisierung bzw. vollständige Erneuerung.

Die Art und Weise, wie wir in den Wechseljahren Sex „machen“ wird sich wahrscheinlich verändern. Der „penetrative Akt“ wird nüchterner wahrgenommen, in seinem ursprünglichen Sinn, zur Erschaffung von Leben. Jetzt, da die Sexualhormone uns nicht mehr steuern, sind wir frei, echte Intimität zu erforschen, mit Präsenz, Hingabe, Sinnlichkeit ohne Ziel. Wir können erforschen, was die Natur für uns bereithält und uns dem Mysterium hingeben, ohne Jagd nach dem Höhepunkt. Wir Frauen werden wirklich neu aufgestellt.

Auch Männer verändern sich mit dem Alter, aber viele weigern sich, diesen Entwicklungsschritt anzunehmen. Statt innerlich zu reifen, fliehen sie vor sich selbst: in Arbeit, Ablenkung oder in eine neue sexuelle Beziehung mit einer deutlich jüngeren Frau.

Und hier öffnet sich ein tiefer gesellschaftlicher Spalt: Frauen können in dysfunktionalen Beziehungen nicht mehr bleiben, ohne ihre Seele zu verraten. Männer haben sich über Jahrzehnte nicht um ihre innere Heilung und spirituelle Anbindung gekümmert. Sie wurden dabei schwach und seelisch abwesend, weltlich feige oder narzistisch arrogant.

Wir leben in einer Zeit, in der viele Männer sich verloren haben: körperlich, mental, emotional, spirituell. Sie wissen nicht mehr, was wahrhaftige Männlichkeit bedeutet. In dieser Ära – auch Kaliyuga, das dunkle Zeitalter, genannt – ist das Shiva-Tattva, die Essenz des göttlichen Männlichen, geschwächt. Die Gesellschaft verehrt Reichtum, Macht, Erbe, Ego, Status, Sex-Appeal. Doch Shakti – das göttlich Weibliche – ist mit dieser Illusion nicht im Einklang. Sie nörgelt nicht und flippt nicht aus, weil sie instabil ist, sondern weil Shiva, ihr kosmischer Zwillingspartner, nicht präsent ist. Sie steht in der Verantwortung für Kindererziehung, Geldverdienen, Haushaltmanagement, Beziehungenpflegen – und er lässt sie machen und macht selbst sein eigenes Ding.

Aber ein wahrer Shiva identifiziert sich nicht mit Grundstücksportfolios, Aktienkursen, Firmenprojekten, Luxusmarken, Kriegswerkzeugen, Machtspielchen oder Statusdenken. Er ist bewusst, klar, asketisch, integer – ein Raumhalter, ein Beschützer, ein Versorger, ein Fels in der Brandung für seine Frau und Familie.

Ohne Shiva verwandelt sich Shakti in Zerstörung. Das ist das Ungleichgewicht, das wir heute kollektiv erleben. Die Energien des göttlichen Männlichen und des göttlichen Weiblichen sind nicht im Einklang.

Shiva steht in diesem Kontext für das bewusste, klare, strukturierende, präsente Prinzip – das göttliche Männliche. Shakti verkörpert das lebendige, schöpferische, emotionale, intuitive, wilde Prinzip – das göttlich Weibliche. Wir leben in einer Welt, die männliche Prinzipien überbetont: Leistung, Kontrolle, Wettbewerb, Rationalität, Technik, Macht. Empathie, Fürsorge, Intuition, Verbundenheit, zyklisches Denken gelten immer noch oft als „schwach“, „irrational“ oder „unproduktiv“. Dadurch ist ein kollektives Ungleichgewicht entstanden: Struktur ohne Herz, Kontrolle ohne Sinn, Macht ohne Mitgefühl.

Das Resultat: Erschöpfung, Burnout, Entfremdung, Gewalt, Sinnleere, Naturzerstörung, ki-Übernahme. Shakti, die Lebenskraft selbst, wird unterdrückt oder instrumentalisiert. Und wenn sie zu lange unterdrückt wird, bricht sie als Chaos, Wut oder Krankheit hervor.

Wir brauchen nicht den patriarchalen Shiva, sondern einen neuen, bewussten Shiva, der präsent ist, zuhört, hält, mitfühlt, mitdenkt, aber nicht kontrolliert. Er verkörpert Bewusstsein ohne Ego, Klarheit ohne Härte, Liebe ohne Zweifel. Ohne diesen Shiva-Aspekt wird Shakti zur Zerstörungskraft. Nicht aus Bosheit, sondern weil sie alles, was unecht, tot oder missbräuchlich ist, sprengen muss, um Raum für Neues zu schaffen. Deshalb sehen wir gesellschaftlich so viele Zusammenbrüche: in Beziehungen, Institutionen, Wirtschaft, Politik.

Wenn dieses Ungleichgewicht in Partnerschaften besteht, wird die Frau gehen müssen, um zu überleben. Shakti ist erwacht und sie braucht Shiva. Aber wenn Shiva nicht verkörpert ist, bleibt sie besser allein. Jede Beziehung, in der Shakti gezwungen wird, klein zu bleiben oder die Arbeit des Mannes zu übernehmen, wird zerfallen. Denn eine wirklich erhebende Beziehung entsteht aus der Vereinigung von Shiva und Shakti – Bewusstsein und Kreativkraft, Präsenz und Liebe. Das kann kein Mann heucheln, erzwingen oder erspielen. Das ist eine andere Dimension.

Die Wechseljahre machen Schluss mit falschen Kompromissen, denn nur, wenn die Frau loslässt, was sie beschwert – falsche Ernährung, vampirische Beziehungen, emotionale Trigger, bedeutungslose Arbeit usw. – kann sie wirklich vorwärtsgehen und nochmal aufblühen. Mit neuem Handlungsspielraum. Frei, lebendig und ganzheitlich.

Zur Reise der Wechseljahre gehören diese Reformationen:

Erkenne Deine Bedürfnisse an.
Sprich Deine Wahrheit aus.
Finde, was Dich inspiriert.
Setze gesunde Grenzen.
Lass ab, andere zu Veränderung zu zwingen.
Entgifte Dich körperlich, emotional, spirituell.
Koch und iss das, was Deinem Körper gut tut.
Mach öfter Pausen.
Atme tief. Bewege Dich täglich im Sonnenlicht.
Meditiere oder verbringe bewusste stille Zeit.
Befreie Dich von Menschen, die Dich auszehren.
Lass alte Trauer los.
Geh in kleinen Schritte vorwärts.
Sei geduldig und mitfühlend mit Dir.
Hol Dir Unterstützung.
Bitte um Hilfe, von Freunden, Schwestern, Therapeuten, Coaches.
Nähre Dein Nervensystem (Schlaf, Ruhe, liebevolle Routinen).
Vertraue dem Prozess, auch wenn Du ihn noch nicht verstehst.
Stärke Deine spirituelle Praxis (Gebet, Mantra, Natur).
Erlaube Dir Freude, Spiel, Kreativität und Sinnlichkeit.

Die Gewinne Deiner Reformation:

Selbstrespekt – Du erinnerst Deine Werte und Deine Souveränität.
Selbsterkenntnis – Du siehst Dich selbst klarer, jenseits der Rollen.
Authentizität – Du beginnst, aus Deiner wahren Essenz zu leben.
Innere Ruhe – Dein Körper und Dein Nervensystem finden Balance.
Souveränität – Du triffst Entscheidungen aus Stärke, nicht aus Angst.
Weibliche Würde – Du stehst zu Deiner zyklischen, kreativen Natur.
Klarheit – Was und wer nicht mehr zu Dir passt, fällt von selbst weg.
Inspiration – Dein Sein regt Kinder und Männer an, authentisch zu sein.
Lebenskraft – Energie, Lust und Freude kehren zurück, aus Tiefe, nicht aus Druck.
Verbundenheit – Mit Deinem Körper, Deiner Seele und dem Göttlichen.
Vitalität – Erhöhter Fokus auf körperliche Gesundheit und gesunden Lebensstil.
Weisheit – Du siehst Muster, erkennst Zusammenhänge und hörst auf zu kämpfen.
Neue Kreativität – Im Selbstausdruck, Kleidungsstil und vielleicht auch Produktivität.
Liebe – Nicht als Bedürftigkeit, sondern selbstverständlicher Ausdruck Deines Seins.
Neue Gelegenheiten – Deinen Reichtum an Erfahrung und Wissen kannst Du mit anderen teilen und ein ganz neues Gefühl von Erfüllung und Sinnhaftigkeit gewinnen.

So geht die Frau ihren Weg. Nicht gegen den Mann, sondern für ihre Seele. Und damit öffnet sich sogar eine neue, heilige Möglichkeit: dass auch der Mann aufwacht.

Wenn Frauen sich befreien, in ihre wahre Kraft und Schönheit kommen, heilen sie nicht nur sich selbst, sondern öffnen ein Feld, in dem sich sowohl das Kollektivbewusstsein wandeln kann und in dem Männer sich erinnern, wer sie wirklich sind.

Ich glaube, das ist die wahre Reformation: eine Rückkehr zur menschlich-göttlichen Wahrheit, wo das ursprüngliche Weibliche und ursprüngliche Männliche einander erinnern, erkennen und erfreuen.