Weihnachten – instrumentalisiert & melancholisiert

Als Kind fand ich Weihnachten magisch, warm und wundervoll. Und ich assoziiere auch heute noch schöne Gefühle mit dem Heiligen Abend, dank dieser Erinnerungen. Betonung liegt hier auf Vergangenheit. Denn als Jugendliche begann das Weihnachtsfest sich eher wie ein beklemmendes Gesellschaftsritual anzufühlen. Und das Zauberhafte, das ich aus der Kindheit erinnerte, war verpufft. Übrig blieb ein energetisches Souvenir.

Dennoch gab es unbewusst jedes Jahr wieder einen Versuch, etwas von Früher wiederherzustellen oder zu finden. Da war irgendwie eine Sehnsucht zurück in diese süsse lichtvolle Vergangenheit, in eine Art des Sich-sicher-fühlens und des unschuldigen Sich-bezaubern-lassens. Durch die positive psychologische Aufladung in der Vorweihnachtszeit mit Keksebacken, Adventskalender und Adventskranz, die dann in der dichten Atmosphäre von Musik, Liedern, Gebeten, Kerzenlichtern, Lametta und funkelndem Weihnachtsschmuck, Krippenspiel, Geschenken, festlicher Kleidung, Delikatessen, Schokolade, Nüssen, Düften von Weihrauch, Tanne, Orangen und köstlichen Gewürzen am Abend des 24. Dezember in einem Crescendo der Begeisterung kulminierte, war da zweifelsohne ganz viel Magie. Alle Sinne waren involviert und alle Wahrnehmungsantennen aktiviert. Das war besonders und verzauberte, ja hypnotisierte. 

Damals gab es in dem Ganzen auch eine mystische Dimension für mich, was jedoch eher mit Naturereignissen (pinker Abendhimmel, das brilliante Weiss des Schnees, lange stille Nächte usw.) und meiner ganz eigenen Herzensverbindung zu Jesus / Issa und Engeln in Verbindung stand, weniger mit den gesellschaftlichen Programmen. Und genau diese Dimension ist auch der eigentliche Grund dafür, dass wir Feiern.

Wenn dann allerdings der obligatorische Kirchenbesuch dazukam, bekam das ganze Fest eine gewisse Schräglage, wie ich rückblickend erkannte. Diese Unbehaglichkeit war mit Einschüchterung und Ehrfurcht verbunden und nicht nur der pompösen Architektur der Kirche und den kalten Temperaturen während des Gottesdienstes geschuldet, sondern auch den Förmlichkeiten und dem Authoritätsgebaren des Priesters, der mit mahnender Stimme auf ernstblickende, unterwürfige und dunkel gekleidete Kirchenbesucher einredete. 

Meine Familie und ich haben uns über die Jahre aus der alljährlichen Zwanghaftigkeit von Weihnachten ganz gut befreien können. Es begann damit, Vorbereitungen, Dekoration, Konsum, Geschenke und Erwartungen zu reduzieren und liegt mittlerweile bei Verzicht auf Baum, grosser Beschenkung und Festberieselung.

Trotzdem ist es nicht leicht, sich dem kollektiven Strom zu entziehen. Es gibt eine Anziehung zu den klassischen, naturverbundenen Brauchtümern und gleichzeitig einen starken Einfluss einer Art Fernsteuerung, einer künstlichen Überlagerung mit klebriger Melancholie.

Gesellschaftlich liegt immer so ein latentes Gefühl der Bedrückung in der Luft. Vielleicht ist es Teil des Deutschen Weltschmerzes. Womöglich liegt es aber an der Indoktrination der Kirche. Der Manipulation der Menschen mit Schuldbewusstsein, Scham und Angst vor einem strafenden Gott.

Heute frage ich mich, was mit Kindern zu Weihnachten wirklich geschieht. Was geschieht zum “Fest” mit Nervensystem, Hirnschaltungen, Unterbewusstsein, Körper und Seele? Was wird da in den prägenden Jahren programmiert? Und was ist der wahre Sinn und Zweck der Veranstaltung?

1. Fakt ist, dass es einen jährlichen Fokus auf ein Event gibt – angeblich Jesus‘ Geburt – das weit in der Vergangenheit liegt. Und diesem Ereignis wird alles gewidmet. Lebensenergie und Aufmerksamkeit, Einkäufe und Rituale. Werbung und Vorbereitungen dafür beginnen meist schon im Oktober. Das ist effektive Verstrickung mit Vergangenem und Ablenkung von wahrem, göttlichen Bewusst-Sein, was ja nur in der Geistesgegenwärtigkeit, im Hier und Jetzt besteht. 

2. Offiziell geht es bei Weihnachten um die Geburt eines Heiligen, dennoch hängt über der Krippe mit dem Jesusbaby, Maria, Joseph, Hirten, Schafen und Engeln ja auch immer gleich der gequälte Jesus am Kreuz. Rein symbolisch hat das was von Totenkult, weniger von spiritueller Erhöhung. Und alles was wir in diesem Zusammenhang tun und produzieren ist im Grunde eine Opfergabe und Zustimmung dazu.

3. Immerhin würdigen mehr und mehr Menschen, dass der ursprüngliche Grund für Festlichkeiten im Dezember die Winter-Sonnenwende (auf der Nordhalbkugel der Erde) ist, die jedes Jahr am 21./22. Dezember stattfindet. Und so ist Weihnachten im Grunde eine Tradition der Verehrung der Sonne Gottes  (Sun of God), da die Tage beginnen, länger als die Nacht zu sein, und die wiedergeborene Sonne höher und höher steigt, so dass die Tage wärmer werden und der Frühling eingeleitet wird. Mehr dazu hier. Und auch zunehmend mehr Menschen erfahren, dass Jesus wahrscheinlich im März geboren wurde und nicht im Dezember (Ref. Astrophysiker Thomas Boller).

4. Pastor, Priester, „Weihnachtsmann“ und „Christkind“ fragen Kinder zu Weihnachten immer: Warst Du das Jahr über brav, folgsam und gehorsam? Ja, dann gibt es zuhause auch eine Belohnung (Geschenke). Das sind Bestechung und Unterdrückung in einem.

5. Subliminale Heimtückischkeiten: Als Kind war mir nie ganz klar, ob Jesus am Kreuz nicht als Warnung und Bedrohung zu verstehen ist: benimm Dich und gehorche, sonst wirst Du wie er gekreuzigt. Oder noch perfider: stehst Du für das Gute ein und vertrittst Du die Wahrheit Gottes, wirst Du möglicherweise gemoppt, gefoltert und ermordet.

6. Wenn etwas Schönes, Nichtalltägliches und Göttliches – das „Fest der Liebe” – nur in einer bestimmten Zeit möglich ist, um genau zu sein an nur EINEM Tag im Jahr, que tristessa – welch ein Trauerspiel! Welch unsägliche Einschränkung und Unwahrheit.

7. Wer sich etwas mit den Charakteristiken von Kulten auskennt, wird kaum Schwierigkeiten haben, Weihnachten als Kult-Ritual zu erkennen. Das ist ziemlich ernüchternd.

Was sind typische Kult-Eigenschaften?
– Traditionspflege, Wiederholungen & Rituale
– Bestimmte Formulierungen und Formeln
– Bestimmte Musik, Gesänge, Mantras, Gebete, Aromen
– Hypnotischer, sinnlicher Overload & Verzauberung
– Manipulation mit Belohnungen, Geschenken & Ekstase
– Manipulation mit Drohungen, Bestrafungen & Verfluchung
– Kombination von Liebe & Angst (Sadismus)
– Intoleranz in Bezug auf Kritik, Fragen oder den Austritt
– Ewige Unerreichbarkeit (Rettung, Erlösung, Erleuchtung etc.)
– Antworten ausserhalb menschlicher Reichweite (Guru, Religion, Lehren)
– Glauben an die Mediatoren zu Gott, anstatt an Gott direkt
– Mix von Wahrheiten und Unwahrheiten
– Abhängigkeit & Entzugserscheinungen
– Schüren von Sehnsucht & Sentimentalität
– Kontrolle
– Gleichgesinnte mit Mission & Zusammengehörigkeitsgefühl
– Gehorsam & Unterwerfung an eine Autorität
– Exklusivität 
– Seelenbindung, Einschränkungen und Gefangenschaft 

Achten der Heiligen Nächte & Christusbewusstsein

Das Wort Weihnachten leitet sich von der mittelhochdeutschen Wendung „(ze den) wîhen nahten“, „(zu den) heiligen Nächten”. Ich sehe die Aspekte von „Nähe”, „Nacht” der „Weihe” und das „Achten” dessen, was heilig ist. Weihen heisst heiligen, salben, segnen, hingeben. Achten beinhaltet Achtsamkeit und Aufmerksamkeit. 

Aber das Weihnachten der neuen Zeit ist eine Vertuschung und Verdrehung von Zusammenhängen. Alles was einmal rein und heilig war wurde gekapert, entführt und missbraucht. Christus-Bewusst-Sein ist eine spirituelle Angelegenheit, und kein Wirtschaftszweig oder religiöses, politisches System. Und die Wintersonnenwende ist ein astronomisches, energetisches und spirituelles Phänomen, das ins Bewusstsein der Menschen gehört, und nicht unterdrückt. Ebenso die 12 Rauhnächte, die eine besondere, mystische Zeit sind, mit weit geöffneten Toren zu höheren Dimensionen.

Jesus / Issa steht für die höheren, himmlischen Ebenen und das Christusbewusstsein, was in jedem von uns ist. Wir stammen aus der ewigen, allwissenden und allgegenwärtigen Gottquelle-Bewusstseinsenergie und dieser ursprüngliche, natürliche Bauplan gehört allen Menschen, unabhängig von ihrer Religionszugehörigkeit.

Das Reich Gottes ist in uns, aber es ist eine Wahl, die wir bewusst treffen müssen und die einhergeht mit einer Transformation und Wiedergeburt auf allen Ebenen unseres Seins, körperlich, mental, emotional und spirituell.

Die Kirche betont Nächstenliebe, Vergebung und Mitmenschlichkeit. Aber die Wärme von der gesprochen wird, ist oft gar nicht spürbar. Es werden selten bis nie konkrete Wege und Werkzeuge aufgezeigt, wie der Mensch sich pragmatisch und spirituell-psychologisch zu einem erwachsenen, souveränen Individuum entfalten kann. Wie er sich selbst realisieren kann. Wie er allumfassendes Bewusstsein, sowie seine angeborene Einzigartigkeit verkörpern kann. Wie Körper und Seele zusammenhängen und wie die eigenen Selbstheilungskräfte aktiviert werden können.

Das Bewusstsein, mit Gott und mit der göttlichen Quelle eine Einheit zu sein, wurde von Jesus verkörpert. „Ich und der Vater sind eins.“ (Johannes 10:30). Seinen Jüngern sagte er: „Seid vollkommen, wie euer himmlischer Vater vollkommen ist!“ (Matthäus 5:48). Das ist eine Einladung, dem Wirken Gottes auf den Grund zu gehen.

Was wir im Yoga höheres Bewusstsein, Gottesbewusstsein und Selbstrealisierung nennen, kann auch als Christusbewusstsein bezeichnet werden. Jesus forderte die Menschen auf, dieses höhere Bewusstsein, zu entwickeln.

Stattdessen wird Weihnachten instrumentalisiert und melancholisiert, um die Wirtschaft anzukurbeln und Familien ritualisiert zusammenzubringen, um falsche, unnatürliche Realitätsstrukturen zu füttern. Und wie unter einem Bann stehend, folgen die meisten den Normen und Gewohnheiten, ohne sie zu hinterfragen. Und / oder ohne den Mut, einfach damit aufzuhören, alle Energie diesem vergangenen Event und letztlich der Kirche und dem Kreuz zu schenken, und stattdessen zu prüfen, wie es um Integrität im Hier und Jetzt steht, was individuell und gesellschaftlich wirklich läuft. 

„Menschen mögen Feste. (…) Es sind Menschen, die den Festen einen Sinn geben, um ihr Bestehen zu legitimieren. (…) Diejenigen, die immer noch an Götter glauben, können sie sicherlich weiterhin anbeten, wenn sie Lust dazu haben – aber sie müssen wissen, dass dieses Glaubensbekenntnis und diese Anbetung nichts mit der supramentalen Verwirklichung zu tun hat.“ (…) Sogar die Götter müssen sich dem Höchsten ergeben, wenn die göttliche Schöpfung auf Erden verwirklicht werden soll.“
– Mira Alfassa, Words of the Mother–III, The Gods, Superior Beings and Adverse Forces

Wir dürfen aufwachen und loslassen, was wir nicht sind. Wo nötig, Grenzen ziehen und zu uns und unserer Wahrheit stehen. 

„Traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen.”
– 1. Johannes 4:1

„Zieht die Rüstung Gottes an, damit ihr den listigen Anschlägen des Teufels widerstehen könnt. Denn wir haben nicht gegen Menschen aus Fleisch und Blut zu kämpfen, sondern gegen die Fürsten und Gewalten, gegen die Beherrscher dieser finsteren Welt, gegen die bösen Geister des himmlischen Bereichs. Darum legt die Rüstung Gottes an, damit ihr am Tag des Unheils standhalten, alles vollbringen und den Kampf bestehen könnt.“
– Epheser 6:11-13

Wir können uns mit Jesus und Gott jederzeit und überall verbinden. 24/7 das ganze Jahr über. Wir benötigen dazu keine Kirche, zwangsverordneten Feiertage, Gurus oder Influencer, und auch keine besonderen kosmischen Konstellationen.

Trag Christusbewusstsein hinaus in das Leben – mit Deinem Herzen und Spirit, und in der Rüstung Gottes – raus zur Natur, zur Erde, zur Sonne, zu den Tieren, Pflanzen und zu den menschlichen Begegnungen. Dein Körper ist dabei der lebendige Tempel, der das göttliche Licht empfängt und ausstrahlt.

* Gürtel (der Wahrheit), Panzer (der Gerechtigkeit), Schild (des Glaubens), Helm (des Heils), Schwert (des Geistes), Stiefel (der Bereitschaft)