In einer Welt, die scharfen Verstand, rationales Denken und das Sichtbare in der physischen Dimension bewundert, neigen viele von uns dazu, ihre Bauchgefühle anzuzweifeln. Unabhängig vom Thema schieben wir oft unsere Intuition und unser Empfinden beiseite oder hinterfragen ihre Gültigkeit. Doch tief in uns wissen wir, dass diese innere Stimme die Wahrheit spricht, selbst wenn wir nicht immer genau erklären können, warum.
Wir leben in interessanten Zeiten. Immer mehr Menschen erkennen, wie entscheidend es ist, auf ihre Intuition zu hören, wenn es um potenzielle Partner geht – sei es im privaten oder beruflichen Bereich. Es lohnt sich, uns daran zu erinnern, dass unser Bauchgefühl in allen Lebensbereichen eine Schlüsselrolle spielt, egal ob neue Freundschaften, Projekte, Kunden, neuer Zahnarzt, Taxiservice, Anschaffung eines neuen Kunstwerks oder Ablauf unseres Alltags!
Ursprünglich komme ich aus Deutschland, wo ich einige langjährige, vertrauensvolle Freundschaften habe. Das Leben hat mich seither in ferne Länder geführt, wo ich lebte und arbeitete, und auf diesem Weg neue Freunde gefunden habe. Einige blieben nur für eine Saison, andere sind mir weiterhin nahe. Manche Freundschaften wurden tief, andere blieben oberflächlich. Faszinierendes Spiel des Lebens.
Vor Kurzem dachte ich über eine jüngere Freundschaft in Indien nach und erkannte, dass mein anfängliches Zögern, das ich bei unserer ersten Begegnung vor einem Jahr empfand, ein wichtiges Signal war. Damals hatte mich meine Intuition vorsichtig sein lassen, aber ich ignorierte sie und erlebte eine Verbindung, die letztlich doch relativ oberflächlich blieb.
Eine bestimmte Situation machte mir kürzlich bewusst, dass mir die Toleranz für die Widersprüche im Verhalten dieser Freundin ausging, was sogar dazu führte, dass ich sie als scheinheilig beurteilte. Ich sprach meine Meinung aus und distanzierte mich, was ungewollt starke Emotionen bei ihr auslöste. Ihre Reaktion war eine verworrene Mischung aus Vorwürfen und Fehlinterpretationen meiner Absichten, durchsetzt mit Sarkasmus. Mir ist bewusst, dass emotionale Reaktionen oft komplex sind und meist aus vergangenen Erfahrungen herrühren (Verletzungen, die nicht direkt mit dem aktuellen Thema zu tun haben). Was ich sagte, kam eindeutig nicht gut an. Und ich hätte es besser wissen und meinen Mund halten können. Hab ich in diesem Fall aber nicht. Merkwürdigerweise störte mich der Clash nicht. Es fühlte sich fast unvermeidlich an, angesichts der Warnzeichen, die ich anfangs ignoriert hatte.
Diese Begegnung bestätigte mir erneut die Bedeutung von Unterscheidungsvermögen. Darauf zu vertrauen, dass mein inneres Navigationssystem ohne Zweifel funktioniert, selbst wenn mein Verstand nicht jedes Signal erklären kann. Intuition bedeutet nicht, alle Details zu verstehen, sondern dem inneren Wissen zu vertrauen, das mit unserem Körperbewusstsein verbunden ist.
Aus dieser jüngsten Erfahrung habe ich wieder einmal gelernt, dass das Vertrauen in meine innere Stimme immer darauf abzielt, Konflikte, Missverständnisse und unproduktive Diskussionen zu vermeiden. Es schützt meinen Seelenfrieden und mein Wohlbefinden und lässt so Raum für bedeutungsvolle, herzliche Verbindungen.
Intuition leitet uns, wenn es darum geht, zu erkennen, wann wir uns einbringen und wann wir uns zurückziehen sollten. Und sie bewahrt uns davor, Dinge auszusprechen, die wir eigentlich nicht hätten äußern müssen, weil wir den Konflikt von vornherein vermieden hätten.
Lässt Du Dich von Deiner Intuition leiten? Wenn nicht, wie entwickeln sich dann die Dinge normalerweise? Wenn ja, wie hat sie Dir gedient?
In dieser Ära der Informationsflut, der Glorifizierung des Verstandes, der wachsenden Präsenz von ki und dem ständigen Drang zu leisten statt uns zu heilen, bleibt das Vertrauen in unsere innere Stimme eines der kraftvollsten Werkzeuge, das wir haben, um die Komplexitäten des Lebens zu meistern.