Die Sonne – Symbol und Quelle von Licht und Lebenskraft – wird vorübergehend verdunkelt. Eine Sonnenfinsternis (Sanskrit: Sūrya Grahana) gilt als außergewöhnliche Schwellenzeit und sensible Phase. Sie ist daher eher ungünstig für weltliche Unternehmungen.
Das Prinzip des solaren Lichts, der Klarheit und der äußeren Ordnung wird vom Schattenprinzip überlagert. Daher steht weniger das äußere Handeln als die Hinwendung nach innen im Vordergrund.
Die Stunden davor (Sūtaka-Zeit) gelten als Zeit der Vorbereitung und Zurückhaltung, die Finsternis selbst als besonders geeignet für spirituelle Praxis und die Zeit danach als Phase der Reinigung und Rückkehr zum normalen Alltag. Sūtaka beginnt traditionell vier Prahara, also etwa zwölf Stunden (!), vor der Finsternis.
Do’s & Dont’s:
• Halte Dein Zuhause sauber und aufgeräumt.
• Nicht direkt in die Sonne schauen.
• Vermeide den Konsum von Nahrung und Wasser direkt während der Sonnenfinsternis.
• Bleib zu Hause und vermeide Schnattern, Streit, Sex, Kochen, Medienkonsum.
• Keine Tempelbesuche, Rituale oder Zeremonien (Tempel in Indien sind jetzt geschlossen).
• Gute Zeit für innere Einkehr: Meditiere, bete, chante oder lese.
• Nach dem Ende der Finsternis folgen traditionell ein Bad, frische Kleidung und die Zubereitung frischer Nahrung.
Bei einer Sonnenfinsternis verbinden sich mehrere Ebenen: das astronomische Phänomen, wenn sich der Neumond nahe einem seiner Mondknoten zwischen Erde und Sonne befindet sowie die mythologische Bedeutung:
Laut Rigveda verhüllt der Asura Svarbhānu die Sonne, so dass sie nicht mehr zu erkennen ist. Der Seher Atri bringt ihr Licht wieder. Auch Rāhu und Ketu spielen eine Rolle: Rāhu, der aufsteigende Mondknoten und Ketu, der absteigende Mondknoten (gemäss Jyotisa, der traditionellen Astrologie-Astronomie Indiens).
In europäischen und nahöstlichen Traditionen wurden Finsternisse als Angriff oder
„Verschlingen“ der Sonne durch ein übernatürliches Wesen gedeutet. In der mittelalterlichen europäischen Astronomie und Astrologie wurden zudem die beiden Mondknoten als „Drachenkopf“ (Caput Draconis) und „Drachenschwanz“ (Cauda Draconis) bezeichnet – eine bemerkenswerte Parallele zu Rāhu und Ketu.
